Dem Raum eine Stimme geben. Ein Gespräch über die „kleinen“ Geschichten der Stadt und lokale Identität

Stadtbibliothek Szczecin-Dąbie. Von links: Agnieszka Kuchcińska-Kurcz, Weronika Fibich, Paulina Romanowicz, Krzysztof Lichtblau, Kinga Rabińska,
Foto: © Miejska Biblioteka Publiczna w Szczecinie

Es gibt im Polnischen einen schönen Ausdruck – mała ojczyzna. Es bedeutet so viel, wie „kleine Heimat“, im Gegensatz zur großen Heimat, zum Vaterland (ojczyzna). Es geht um den Ort, an dem wir (oder auch unsere Vorfahren) geboren und aufgewachsen sind. Es geht um den Raum und seine besonderen Qualitäten, um Menschen, die dort leben. In meiner Vorstellung ist die „kleine Heimat“ (das Mutterland?) weniger als das Vaterland mit Ideologien belastet. Es ist der Raum, in den die Geschichten jener, die dort vor uns waren, eingeschrieben sind.

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Stettin und das Filmteam aus Babelsberg, Teil 2

Stettin in den Augen der Anderen…

Ich habe in meinem letzten Beitrag angefangen, über den Besuch des Filmteams aus Babelsberg zu berichten. Und ich setze es nun fort. Folge den Erinnerungen, den Gefühlen.

Die erste Erinnerung ist: Regen. Stettin glänzt in Wasser. Die alten Steinplatten glänzen auf den Bürgersteigen. Das Filmteam akzeptiert es, sieht das Schöne daran. Ich akzeptiere das nicht, da meine Frisur kaputt geht.

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Filmteam aus Babelsberg, Stettiner Universitäten und die Philharmonie, Handelstechnikum und Pioniere der Stadt, Teil I

Es ist ganz schön anstrengend, vor allem aber aufregend. Ein junges Filmteam aus Babelsberg ist in Stettin und wir besuchen zusammen die schönsten Orte und die interessantesten Menschen, die uns die Stadt erzählen. Frau Anna Szlesińska, Referentin für internationale Zusammenarbeit der Stadt Stettin und Joanna Cybruch (Referentin für die städtischen Kulturinstitutionen) haben im Vorfeld alles gut vorbereitet und spannende Tipps gegeben.

Das Filmprojekt wird im Rahmen der Filmschülerfirma namens MCB filmproductions, die zum Förderverein MedienCampus Babelsberg e. V. gehört, produziert. In Kooperation mit dem Deutschen Kulturforum östliches Europa soll das Team einen 45-minütigen Dokumentarfilm über die Stadtschreiberin umzusetzen (das tut es erfolgreich bereits seit einigen Jahren). Geleitet wird das Filmteam durch Kathrin Lantzsch vom MedienCampus Babelsberg. Sie unterrichtet das Profil „Film & Technik“ und koordiniert Filmschulprojekte, ist sehr energisch, humorvoll, engagiert. Danio Schneider von MCB filmproductions, Student der Filmuniversität Konrad Wolf in Babelsberg, scheint der erste Kameramann zu sein, auch wenn ich mich da nicht so gut auskenne. Zur Seite stehen ihm:  Louis Bernhardt, der gerade sein Freiwilliges Soziales Jahr am Neuen Gymnasium Potsdam/Babelsberger Filmgymnasium absolviert, Merle Welak und Johanna Wuscher – Schülerinnen von diesem Gymnasium, sowie Johann Tegge – Schüler der Neuen Gesamtschule Babelsberg. Ach, die Legende Babelsberg! Endlich komme ich persönlich damit in Berührung.

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80. Geburtstag von Stettin, Teil 2: Von Journalisten, Sängerinnen, einem Künstler-Ehepaar, einer Pracht-Villa und einem Gemeinschaftshaus auf dem Land

Stettin ist voller Menschen, die ich liebe und schätze. Oder zumindest, die ich kenne und bewundere. Oder zumindest, die ich kennen sollte. Stettin platzt vor Geschichten, die noch erzählt und gehört werden wollen.

In dieser Folge geht es vor allem um Menschen, und natürlich um die Fortsetzung der Geburtstags-Feierlichkeiten der Stadt, denn damit sind wir noch nicht fertig.

Leider verspäte ich mich gern, ich plane zu viel, ich will zu viel auf einmal, und dann passieren unerwünschte Dinge, unerwartete Pannen, dann sagt das Schicksal zu mir: Stopp! Halte an! Du bist nicht die rasende Reporterin Karla Kolumna! [1]

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80. Geburtstag von Stettin, Teil 1: Stadtbibliothek, Friedhof, Dezember 1970 und Straßenbahn nach Swinemünde

Ein Geburtstagsfest steht bevor, ein schönes Jubiläum – und große Feierlichkeiten. Vor 80 Jahren wurde Stettin am 5. Juli 1945 nach einigem dramatischen Hin- und Her von der polnischen Verwaltung übernommen und der erste Präsident der Stadt Piotr Zaremba konnte sein Amt antreten. Zuvor, am 26. April 1945, war die Stadt von sowjetischen Truppen besetzt worden. Auf der Potsdamer Konferenz wurde beschlossen, Stettin sozusagen als „Entschädigung“ für den Verlust der polnischen Ostgebiete an Polen anzugliedern. Eine für viele Deutsche tragische Konsequenz des von Hitler-Deutschland entfachten Zweiten Weltkrieges. Seitdem gehört meine Heimatstadt auf beiden Seiten der Oder zu Polen, auch wenn man sich lange Zeit nicht sicher war, ob es auch wirklich so bleibt. Im Jahr 1950 wurde die deutsch-polnische Grenze von der DDR anerkannt, 1970 auch von der Bundesrepublik, allerdings mit dem Vorbehalt einer Friedensregelung. Die endgültige Bestätigung der Grenze erfolgte erst mit dem deutsch-polnischen Grenzvertrag im Jahr 1990. Die Zugehörigkeit Stettins zu Polen war also lange Zeit nichts, dessen sich das Land sicher sein konnte. Es war vielleicht nicht ganz klar, ob es sich lohnt, in diese Stadt auch wirklich zu investieren, sie wirklich zu integrieren…

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Der Quistorp-Gedenkstein im Kasprowicz-Park

Stettin hatte einen Wohltäter, dem es unter anderem eine wunderschöne Parkanlage verdankt. Doch bevor ich den Wohltäter vorstelle, ein paar Worte zum Park. Jeden Frühling platzt mein Facebook von Fotos mit Krokussen aus Stettin. Massen von Menschen fotografieren bunte Krokuswiesen im guten alten Jan-Kasprowicz-Park, um den es hier geht. Mit diesem Schatz der Stettiner verbinden mich nicht so viele persönliche Erinnerungen, da ich in der Kindheit an einem anderen Park wohnte (dem Stefan-Żeromski-Park), und später dann am Zentralfriedhof, den ich als Park betrachtete. Und dennoch kann ich mich erinnern, dass ich hier im Kasprowicz-Park in einem kalten Winter von der Anhöhe, wo sich das Amphitheater befindet, mit einigen Schulfreudinnen und -freunden mit dem Schlitten (oder auch ohne) runtergerauscht bin, bis zum vereisten kleinen Stausee Rusałka (Meeresjungfrau) [1], und dass wir dabei Riesenspaß hatten.

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Verleihung des Künstlerischen Preises von Stettin – Gala, Stadtballaden, Kulinarisches

Es ist später Nachmittag, ich sitze in einem meiner Lieblingscafés mit dem schönen Namen Fanaberia (Kapriole), eigentlich einem Teeladen in der Herzog-Boguslaw-Fußgängerzone Deptak Księcia Bogusława. [1] Ich schaue aus dem Fenster, trinke einen von den außergewöhnlichen Tees, die man hier bekommen kann, einen Rosmarin-Orange-Nelken-Zimt-Tee. Ja, es ist zwar Sommer, gerade wurde in Stettin bei großer Hitze ausgiebig die Sommersonnenwende (Noc Kupały) gefeiert, dennoch ist es heute sehr windig, ja geradezu stürmisch. Ohne Jacke komme ich jedenfalls nicht aus. Falls man sich allerdings aufwärmen möchte, kann man hier auch Schokolade trinken, die auch wirklich nach Schokolade schmeckt.

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Kaffee-Trinken mit dem Stadtpräsidenten im Skandinavischen Haus

Nicht jeden Tag wird man zu einer Kaffeerunde mit dem Stadtpräsidenten (Oberbürgermeister) eingeladen. Ich hatte letzte Woche die Ehre. Man hat mich zu einem Gespräch mit Herrn Piotr Krzystek und seinen Mitarbeiterinnen – der Bürodirektorin Agnieszka Gardocka und der Leiterin der Abteilung für internationale Zusammenarbeit Anna Szlesińska – eingeladen, und auch zur Pressekonferenz. Und zwar in eine ganz besondere Lokalität: ins wunderschöne Skandinavische Haus. Und so habe ich sozusagen aus erster Hand viel Neues über Stettin, und insbesondere seine Beziehungen zu den nordischen Nachbarn erfahren.

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